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Materialien

Waren historisch die Materialien größtenteils natürlicher Herkunft (Leder oder Faserstoffe), wird heute ein Großteil der Materialien künstlich hergestellt. Trotz der technischen Innovationen hat sich Leder aber immer noch als idealer Werkstoff, insbesondere für den Schaft, herausgestellt. Gerade höherpreisige Schuhe setzen daher nach wie vor auf die Verwendung von Leder in den verschiedenen Arten, um ein optisch ansprechendes, anschmiegsames und gleichzeitig robustes Ergebnis zu liefern.

Materialien für den Boden

Typische Laufsohlen werden heute aus Kunststoff oder Gummi gefertigt, bei höherwertigen Schuhen auch aus Leder. Sowohl bei den verwendeten Kunststoffen, wie auch beim verwendeten Leder gibt es eine Vielzahl von Qualitätsstufen, so dass Leder in diesem Fall nicht unbedingt mit hochwertig gleichzusetzen ist. Schnell gegerbtes oder gemischtes Leder ist qualitativ nur minderwertig und führt zu schnellerem Verschleiß bzw. zu unangenehmen Trageeigenschaften. Für die Zwischensohlen wird im Normalfall geschäumter Kunststoff verwendet. Gerade bei Sportschuhen wird vielfach von einer sog. EVA-Zwischensohle gesprochen. Das EVA-Material ist ein Kunststoff, der die optimalen Eigenschaften für die Verwendung in der Zwischensohle mitbringt. Er ist alterungsbeständig und gleichzeitig relativ unempfindlich gegenüber Wärmeeinflüssen. Für die Innensohle reicht das Spektrum der verwendeten Materialien von imprägnierter Pappe über verschiedene Gewebeformen bis hin zu Lederinnensohlen. Teilweise werden auch hier Kombinationen verwendet, bspw. findet man bei speziellen Thermosohlen noch eine Beschichtung mit Aluminium.

Kunstsstoffe, Naturfasern und Leder für den Schaft

Obwohl sich Leder über Jahrhunderte als optimales Material die Vielzahl der Schuhe herausgestellt hat, wird heute der Großteil der Schuhschäfte aus anderen Materialien, bspw. Naturfasern oder auch Gewebe aus verschiedenen Kunststoffen, PVC oder auch Recyclingmaterialien.

Kunststoffe & Naturfasern

Gegen die Verwendung von Leder für den Schaft sprechen dabei im Normalfall zwei Gründe: Entweder die funktionalen Eigenschaften (bei Gummistiefeln aus PVC, Sportschuhen aus Nylon oder auch Segelschuhen aus Baumwolle wäre Leder nicht das optimale Material für die Art der Nutzung) oder Kostengründe, die die Mehrheit der Nutzung begründen. Zudem ist die Verfügbarkeit und Qualität besser planbar als beim Naturprodukt Leder. Der Kostenvorteil wird allerdings geht allerdings meistens mit einem verminderten Tragekomfort einher. Vermehrtes Schwitzen in den Schuhen und auch die Ausbreitung von Fußpilz hat mit der Verbreitung von künstlichen Schaftmaterialien stark zugenommen. In Verbindung mit falschen Tragegewohnheiten (Stichwort Tragepause, so dass man den einzelnen Schuhen Zeit zum „Entlüften“ geben kann und diese dadurch vollständig trocknen können) und Socken, Strümpfen oder Strumpfhosen mit einem hohen Chemiefaseranteil wird dieser Effekte noch verstärkt.
Gerade in den letzten Jahren sind werden auch Membrane verstärkt eingesetzt (oft als Zwischenschicht im Oberschaft), um bestimmte Funktionalität zu erreichen. Am bekanntesten ist dabei die Gore-Tex®-Membran, die gerade im Outdoor- und Kletterbereich viel eingesetzt wird. Diese Membrane sind wasserdicht, leicht und trocknen schnell. Im Optimalfall sind die Membrane dabei noch durchlässig für Wasserdampf („atmungsaktiv“), um ein vermehrtes Schwitzen zu vermeiden. Dieser Effekt funktioniert aber in der Regel nur uneingeschränkt, wenn die Außentemperatur niedriger als 15-18° C ist. Für höhere Temperaturbereiche sind im Lauf der Jahre Nachfolgeprodukte entstanden, die auch dort die Atmungsaktivität sicherstellen sollen.
Sympatex® ist eine weitere Membran, die eine ähnliche Funktionalität erfüllen soll und in der Bekleidungs- und Schuhindustrie weit verbreitet ist. Neben diesen beiden prominenten Vertretern gibt es eine Vielzahl an weiteren Membranen, die allerdings an Verbreitung und Bekanntheit nicht den Stellenwert von Gore-Tex® oder Sympatex® erreichen.

Leder

Viele Eigenschaften des Leders haben es über Jahrhunderte als optimales Material für die Erstellung von Schuhen qualifiziert. Es ist extrem reißfest und gleichzeitig anschmiegsam, dehnbar und danach wieder rückstellfähig; es isoliert und ist in gepflegtem Zustand sogar weitgehend wasserdicht. Trotz dieser guten Schutzfunktionen besticht es durch gutes Aussehen und ist gleichzeitig durchlässig für Wasserdampf (atmungsaktiv), so dass gerade die Probleme von Kunstfasern (vermehrtes Schwitzen, Fußpilz etc.) durch den Einsatz von Leder vermieden werden können.
Dabei sollte Leder aber nicht nur im Oberschaft verwendet werden, sondern gerade für die klimatische Ausgeglichenheit ist eine Innensohle aus Leder ratsam. Bei korrekter und regelmäßiger Pflege ist Leder langlebig. Qualitativ hochwertiges Leder bildet dabei nur minimale Gehfalten und entwickelt eine schöne Patina, die die Optik der Schuhe noch einmal positiv hervorhebt.
Günstige Ledersorten altern dagegen schnell und werden unansehnlich, was auch eine sorgfältige und regelmäßige Pflege nur eingeschränkt verhindern kann. 
Am meisten verbreitet ist Rinds-, Büffel-, Kalbs-, Schweins- oder Schafleder. Weitere Sorten nehmen nur einen unbedeutenden Anteil ein. Fischleder, Reptilleder, Straußenleder etc. stehen nur für 1 Prozent der Lederproduktion und werden nur für sehr hochpreisige Schuhe verwendet. Die Tiere für diese Schuhe stammen dabei aus kontrollierten Betrieben, so dass die Anforderungen des Washingtoner Artenschutzabkommens erfüllt bleiben.

Um aus dem Rohstoff, der Tierhaut, Leder herzustellen, muss dieser gegerbt werden. Durch chemische und mechanische Behandlung bekommt dabei das Leder in Abhängigkeit von der späteren Verwendung die gewünschten Eigenschaften, bspw. sind die Eigenschaften von Leder für eine Schuhsohle vollkommen unterschiedlich zu denen von Handschuhleder. Dabei wird die natürliche Faserstruktur nicht verändert. Waren bis zu den 1970er Jahren noch viele Gerbereien in Europa und den USA angesiedelt, hat sich die Gerbe-Industrie fast vollständig nach China und weitere Länder Asiens und Südamerika verlagert. 

Die bekanntesten und am meisten verwendeten Lederarten sind heute:

Glattleder

Unter dem Begriff Glattleder werden alle Ledersorten zusammengefasst, die nach der Verarbeitung eine weitgehend glatte Oberfläche haben und je nach Art der Behandlung oberflächengegerbt (bspw. durch Pigmentierung) oder offenporig sein, wobei in für Schuhe im Normalfall nur oberflächengegerbtes Leder Verwendung findet. 
Rindboxleder 
Rindbox ist das wichtigste Oberleder für die Verwendung von Straßen oder auch Arbeitsschuhwerk. In jüngerer Vergangenheit wird auch das sog. Soft-Leder vermehrt aus Rindbox hergestellt und wird in Schnürschuhen, Sneakern, Sportschuhen verwendet, deren Fokus nicht auf Schutz etc. liegt, sondern insbesondere bequem sein und gut aussehen sollen. Gerade für Schuhe in der mittleren Preislage wird dieses Leder verwendet.

Kalbbox- / Boxcalf-Leder
Dieses Leder wird oftmals als Obermaterial für den Schaft verwendet und gilt als besonders elegantes und dauerhaftes Oberleder für Herrenschuhe und Damenschuhe. In der Regel wird es mit Chromgerbung bearbeitet und bildet den größten Anteil aller Schuhoberleder mit geringerer Stärke (0,7-1,5mm). Ursprünglich war das Kalbbox-Leder den hochpreisigen Regionen vorbehalten, wird aber in letzter Zeit auch oftmals für das wesentlich günstigere Mastboxleder verwendet, das qualitativ nicht mit dem echten Kalbboxleder mithalten kann.

Chevreau / Ziegenleder
Ziegenleder ist oftmals sehr dünn, gleichzeitig aber strapazierfähig und findet dabei in der Regel Verwendung in hochpreisigen, eleganten Lederschuhen für Damen oder Herren. Charakteristisch ist das leicht knittrige Aussehen.

Lackleder
Eine besondere Art der Bearbeitung ist für die Herstellung von Lackleder notwendig, um die den Hochglanzeffekt zu erreichen. Dabei finden verschiedene Rohmaterialien den Eingang in die Produktion. Sowohl vom Kalb, Rind, Schaf, Ziege oder auch Spaltmaterialien können herangezogen werden, um Lackleder für die Schuhe zu erstellen. Elegante Schuhe, sowohl Damenschuhe, als auch Herrenschuhe, sind typischen Einsatzgebiete von Lackleder.

Rauleder (nach alter Rechtschreibung Rauhleder)

Rauleder ist ein Sammelbegriff für Velour und Nubukleder, also Lederarten mit einer angerauten Oberfläche. Oftmals wird diese Bezeichnung mit Wildleder gleichgesetzt, was allerdings so nicht korrekt ist.  Als Wildleder wird Leder von nicht domestizierten Tieren bezeichnet, bspw. Hirsch-, Elch- oder auch Rehleder, was in der Schuhindustrie aber nur eine untergeordnete Rolle spielt. 
Im Gegensatz zu den verschiedenen Glattledersorten sind Rauleder anfälliger für Umwelteinflüsse, da die Oberfläche sehr aufnahmefähig für Wasser, Schmutz etc. ist. Gerade vor dem ersten Tragen kann durch entsprechende Präventionsmaßnahmen (bspw. durch Imprägnieren) ein schnelles und vor allen Dingen unwiderrufbares Verschmutzen verhindert werden.

Velourleder (nach alter Rechtschreibung Veloursleder)
Diese Lederart zeichnet sich durch eine faserige Oberfläche aus, die eine besonders samtartige Haptik besitzt und einen „Schreibeffekt“ besitzt (d.h. man kann auf dem Leder schreiben). Es kann aus fast allen Tierhäuten hergestellt werden (bspw. Rinds-, Kalbsvelour). Da die Oberfläche des Leders noch Oberfläche mechanisch bearbeitet wird, sind häufig günstige Rohwaren bei der Erstellung von Velourleder die erste Wahl.

Nubukleder
Nubukleder wird auf der Haarseite angeschliffen und erhält dadurch die samtartige Haptik und den Schreibeffekt. Im Gegensatz zu Velourleder ist es im Normalfall ein feinderes Rauleder, denn die Qualität der Ausgangware hat noch wesentlichen Einfluss auf da Endergebnis. Als Rohware können fast alle Häute von Tieren verwendet werden, wobei Rinds-, Kalbs, oder auch Ziegennubuk am weitesten verbreitet sind. 

Die weiteren, exotischen Ledersorten spielen nur eine untergeordnete Bedeutung und sind im Normalfall nur extrem hochpreisigen Schuhen vorbehalten. Auch hier gibt es von den einzelnen Tieren verschiedene Arten der Verarbeitung zu Glatt- oder Rauleder.

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